Interview mit U19-Defensive Coordinator Christian Feck

„Begrenzte Zeit“ als Fluch und Segen zugleich“

Wie ist der aktuelle Trainingsstand Deiner Jungs?

Er ist gut, wir liegen im Zeitplan und sind dabei, das Playbook immer mehr zu
verinnerlichen und zu verbessern. Wir sehen immer mehr Erfolge und freuen uns
schon auf das erste Testspiel.

Beschreibe eine Woche als DC…

Eine normale Woche beginnt immer damit, den Trainingsablauf zu planen für
Montagabends, Dienstagmorgens beginnt dann die Analyse des Montagstrainings.
Bis Freitag bespricht man immer mal wieder das Playbook oder einzelne Plays mit
Positionsgruppen oder Spielern. Zusätzlich schaue ich nach Big Plays der Offense,
wo unsere Schwachstellen liegen und wie wir sie eliminieren können. Freitags legt
man sich dann wieder einen Trainingsablauf zurecht, der dann im besten Fall so gut
ist, dass alle aus der Defense mit einem Lächeln ins Wochenende gehen, weil wir
executed haben.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit Head Coach und den eigenen
Coaches vorstellen?

Mega entspannt, mit Christian Freund haben wir einen super erfahrenen Coach als
Chef, er lässt mir freie Hand, solange ich abliefere und die Jungs in die bestmögliche
Position bringe. Wenn ich schlampig arbeiten würde, wäre das mit Sicherheit anders.
Meine Positioncoaches mit ihrer eigenen langen Erfahrung sind absolute Spitze,
jeder trainiert auf seine Weise, aber genau auf das Playbook hin. Diese Mischung
macht es natürlich einfach, DC zu sein, man verlässt sich aufeinander und jeder ist
am Ende genau an dem Punkt, an dem er sein soll.

Was hast Du Deinen Spielern dieses Jahr als Ziel gesetzt?

„Step up!“ Nach fast 30 Abgängen im vergangenen Jahr erwarte ich, dass neue
Jungs die Verantwortung übernehmen und das funktioniert sehr gut. Es ist immer
wieder schön, wie Spieler, die vergangenes Jahr noch den Platz hinter einem Senior
einnehmen mussten, nun aufblühen und noch mehr Hunger auf jedes Play
entwickeln. Wichtig dabei ist, dass sie sich selbst das Ziel setzen, der Beste zu sein.
Damit meine ich keine Egoschiene wie „Ich mache jetzt dies und mache jetzt das,
damit ich jetzt toll aussehe“… Nein, sondern ganz klar sich selbst zu organisieren,
zum Beispiel den persönlichen Zeitplan mit Schule und Ausbildung, damit die Jungs
im besten Fall immer ins Training können, um der Mannschaft zu helfen. Und jedes
Play kennen, damit sie entspannt in den Spielzug gehen und sich rein auf das
Dominieren konzentrieren können. Zwei bis drei Mal zusätzlich noch Fitness, damit
sie noch dominanter und unangenehmer für den Gegner werden und ihr Spiel
durchsetzen, um andere wieder in eine gute Position zu bringen.

Wie entwickelst Du Dich selbst weiter?

Ich sauge alles auf und versuche andere Komponenten in den Sport einfließen zu
lassen. Da sind dann zum Beispiel auch Themen, die ich in meiner Zeit als Spieler
vermisse oder vermisst habe, sei es Mentales, Fitness,  Ernährung,
Trainingsgestaltung und Übungen, die vermeintlich gar nichts mit dem Sport zu tun
haben, aber am Ende trotzdem Sinn ergeben. Klar, ist es keine Schande, etwas nicht
zu wissen, aber ich will einfach vorbereitet sein, falls ein Spieler meine Hilfe benötigt.

Suchst Du auf bestimmten Positionen noch Spieler?

Wir befinden uns im Jugendbereich, wir suchen immer Spieler. Der Durchlauf und die
nur begrenzte Zeit sind Fluch und Segen zugleich, man arbeitet ein bis drei Jahre mit
den Jungs, entwickelt sie, sodass selbst die oberen Ligen bei den Aktiven Interesse
zeigen. Noch erfüllender ist es, wenn die Spieler zu Persönlichkeiten werden, das
Selbstbewusstsein wächst, sie Verantwortung übernehmen und als Mensch und als
Spieler reifen. Ein besseres Gefühl, dabei mitgewirkt zu haben, kann man als Coach
nicht haben. Doch dann kommt jedes Jahr die Abschlussfeier, man sitzt da,
beobachtet alles und langsam aber sicher weißt du „Die gehen jetzt ihren Weg, man
kann nicht noch ein Jahr dranhängen“. Wie gesagt Fluch und Segen. Von daher ist
jeder immer willkommen: Neue, Erfahrene und Hochklassige.

In Hinblick auf die soziale Komponente von Football: Was versuchst Du
Spielern und Coaches zu vermitteln?

Zwei Dinge vor allen anderen: Zusammenhalt ist die erste Komponente, keiner wird
ausgegrenzt, wir pushen jeden in unseren Reihen. Man sagt ja immer so leicht „Ich
steh mit meinen Brüdern auf dem Feld“, aber das auch zu leben ist die Kunst und
macht uns unberechenbar. Dabei muss der Nebenmann nicht mal mein Buddy sein,
nein, wir müssen uns nicht mal leiden können, aber ich muss die Fähigkeit besitzen,
mein Ego für das Team zu kontrollieren. Für diese 60 Minuten sind wir Brüder und
ich gebe mein letztes Hemd für den anderen. Spaß ist Komponente Nummer zwei,
Spaß hat man, wenn man gewinnt. Klingt hart, ist aber so. Niederlagen gehören
dazu, die muss man verarbeiten, um wieder den Fokus zu setzen. Wenn mich die
Niederlage mental niederringt, verliere ich den Spaß, ich verliere den Sport. Also
setze ich meinen Fokus auf Spaß und arbeite mit Spaß darauf hin, um am Ende vom
Spiel mit noch mehr Spaß abends mit dem Team um die Häuser zu ziehen.

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