Bild: Michael Wiegand

„Das war das beste Spiel der Saison“, betonte Defensive Coordinator Johannes Fiebig nach der Partie der Wiesbaden Phantoms bei den Stuttgart Scorpions. „Leider haben wir uns in den entscheidenden Situationen mit individuellen Fehlern wieder selbst geschlagen.“

Tatsächlich sah es im ersten Quarter gut für die Phantoms in der Defense aus: Mehrfach schickten die Wiesbadener die Stuttgarter Offense ohne Punkte vom Feld – einmal nach einem eindrucksvollen Sack von Lukas Reschke -, der eigene Angriff unter Quarterback Niklas Woelbert brachte allerdings auch nichts Zählbares auf die Anzeigetafel, obwohl gute Ansätze zu erkennen waren – besonders, als Runningback Brè Yon Nicholas Thomas die Beine in die Hand nahm. Ein 30-Yard-Pass brachte die Scorpions schließlich aber doch direkt vor die Endzone und ein diskutierbarer Sneak die 6:0-Führung. Auch der PAT saß. 

Das zweite Quarter begann wieder mit einem Reschke-Sack, doch Stuttgart revanchierte sich mit einem langen Punt, der die Phantoms nahe der eigenen Endzone starten ließ. Christopher Deisenroths Catch eines Woelbert-Passes sorgte für ein neues First Down, der Drive der Phantoms endete aber direkt danach. 

Bryan Ohanian tacklete in der Folge sehenswert und die gesamte Defense hielt einmal mehr – zunächst, denn plötzlich hatten die Gastgeber wortwörtlich einen Lauf und die Phantoms verpassten Tackles en masse. Die Folge waren sieben weitere Punkte für die Scorpions, die später wiederum mit einem Big play – ein Pass über 60 Yards – auf 21:0 stellten. Janne Sulin hatte zuvor einen beeindruckenden Hit gelandet.

Bild: Michael Wiegand

Die erste wohl spielentscheidende Situation war vorausgegangen: Woelbert übergab den Ball an Thomas, der nach einem Lauf über das halbe Feld und einem vermeintlichen Touchdown aber wegen eines Holding zurückgepfiffen wurde. Statt 6:14 oder 7:14 stand es 0:21. Der letzte Drive des Quarters brachte die Phantoms in die Red Zone, Niklas Woelberts Pass wurde in der Endzone aber abgefangen.

Nach der Halbzeit marschierten Thomas und Amier Hobson – ab jetzt von Marc Stosic als Quarterback geführt – weiter stark, durch einen Fumble 17 Yards vor der Endzone erhielten aber wieder die Scorpions das Ei und verwandelten am Ende des Drives ein 27-Yard-Field-Goal. Stosic auf der anderen Seite führte Wiesbaden über das Feld und überbrückte schließlich die letzten Yards zum 6:24 selbst. Nikolas Klocks PAT wurde geblockt und von den Scorpions returniert, Klock und sein Holder Woelbert stoppten den Lauf aber nach 20 Yards selbst. Eine Strafe ermöglichte es, den PAT zu wiederholen – nun traf David Tibo zum 7:24.

Die Scorpions erhöhten im Gegenzug auf 31:7, die Phantoms gaben sich aber nicht auf und erkämpften 16 unerwiderte Punkte – das Highlight der Saison bisher und Beweis dafür, dass mehr Potenzial im Team steckt, als es bisher zu zeigen in der Lage war: Zunächst bediente Stosic Deisenroth über 35 Yards, dann verkürzte er mit einem Conversion-Lauf selbst auf 15:31. Auf der Stuttgarter 42-Yard-Linie erhielten die Gäste das Ei danach bald wieder zurück, Marc Stosic passte über 16 Yards auf Dion West und das 21:31 krönte West mit einer Conversion – ein Catch – vier Minuten vor Spielende für zwei weitere Zähler.

Innerhalb der letzten zweieinhalb Minuten schraubten die Gastgeber das Ergebnis noch auf 45:23, denn wieder fielen ihre Gäste in alte Untugenden zurück. Die Phantoms hätten durchaus die Chance zum Gegenschlag gehabt, wie während des gesamten Spiels wurden aber zu viele Pässe von den Receivern fallengelassen, fehlten bei Runs einige Yards, spielten individuelle Fehler in der Defense den Stuttgartern in die Karten und wurde schlichtweg zu selten gepunktet. Offensive Coordinator Ian Wingfield machte im Abschluss-Huddle daher auch deutlich, dass sich das Team wie in den vergangenen fünf Partien „selbst geschlagen“ habe. 

In der Tat hatten die Phantoms sich bis zum 23:31 nicht aufgegeben, im Gegenteil: Teils hatten sie bis zur absoluten Erschöpfung gekämpft, sich gegenseitig motiviert und ab der Mitte des dritten Quarters ein Viertel lang gezeigt, zu was sie in der Lage wären, wenn es nur ein kleines bisschen optimaler laufen würde. Steht ein Team jedoch im Tabellenkeller, läuft es einfach nicht…

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